Nicht mehr Rauchen!

08. Februar 2008

Jetzt ist es sehr aktuell: Das Rauchen wird immer mehr in der Öffentlichkeit verboten, Außerdem war jetzt gerade Silvester, die guten Vorsätze sind noch frisch: Nicht mehr rauchen, heißt die Devise! Raucherentwöhnung - wer hat sich noch nicht mit diesem Thema beschäftigt?

Vielleicht sind Sie ein aktiver Raucher, der das Rauchen aufgeben möchte, oder vielleicht auch ein passiver Mitraucher, der die Folgen des Passivrauchens nicht mehr in Kauf nehmen möchte? Im Zusammenhang mit einem Versuch, auf die Zigarette zu verzichten, ergeben sich viele Fragen:

  • Warum fällt es vielen Rauchern so schwer, einfach so mit dem Rauchen aufzuhören?
  • Wie schaffe ich es am besten, das Rauchen aufzugeben?
  • Es geht mir so schlecht ohne Zigarette! Kommen meine Schlafprobleme vom Nichtrauchen?
  • Ich fühle mich abhängig von der Zigarette!
  • Kann medikamentöse Unterstützung hilfreich sein?

Rauchen - Wie alles begann...

Unter all den Genuss- und Rauschmitteln, die im Laufe der Jahrhunderte in Europa eingeführt worden waren, angefangen von den Gewürzen im Zeitalter der Kreuzzüge, über Alkohol, Kaffee, Tee und Schokolade in den letzten Jahrhunderten, nahm Tabak aufgrund der damit verbundenen völlig neuen Form des Konsums und Genusses eine Sonderstellung ein.

Tabak war zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus der Neuen Welt importiert worden. Jean Nicot führte die Tabakpflanze nach Frankreich ein. Die ”trockene Trunkenheit des Tabaks”, die ”Sauferei des Nebels”, das ”Trinken und Einschlürfen des Tabaks”, wie das Rauchen anfangs bezeichnet wurde, begann jedoch erst im 17. Jahrhundert zur Mode zu werden. Rauchen wurde zu dieser Zeit mit Ruhe und Besinnlichkeit verbunden. Das ”Tabaktrinken” wurde bei geistiger Arbeit oder zur Entspannung eingesetzt, versprach man sich dadurch doch eine verbesserte Konzentrationskraft und eine Schärfung der Gedanken. Tabak musste in eine Pfeife gestopft und beim Rauchen immer wieder am Ausgehen gehindert werden - das Rauchen nahm noch recht viel Zeit in Anspruch.

Mit dem Wandel der Gesellschaft änderte sich auch die Form des Tabakkonsums: Das Rauchen wurde vereinfacht, zunächst durch die Einführung der Zigarre und schließlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Massenfertigung der Zigaretten. Dies gab einer Entwicklung Vorschub, mit deren Resultat wir uns heute zu beschäftigen haben.

Bereits um die Jahrhundertwende erkannte man die Schädlichkeit des Tabakgenusses, beklagte das rasche Ansteigen der Raucherquoten, die sich entwickelnde Rauchleidenschaft der Frauen und unternahm auch ärztlicherseits Bemühungen, durch die Organisation erster Gesellschaften zur Eindämmung des Rauchens der zunehmenden Verbreitung dieses Lasters ein Ende zu setzen.

Wie viele Menschen rauchen?

Unschwer lassen sich die Berichte und Probleme aus der Zeit der Jahrhundertwende auf unsere heutige Situation übertragen: In der Bundesrepublik Deutschland ist zwischen 1950 und 1975 die Zahl der jährlich konsumierten Zigaretten von durchschnittlich ca. 500 pro Person auf etwa 2000 angestiegen. Diese Zahlen halten sich seither auf diesem hohen Niveau nahezu konstant.

Die statistischen Erhebungen zeigen über die Jahre in der Bundesrepublik Deutschland eine nur geringfügige Minderung der Raucherquoten: 35% der Männer und 22% aller Frauen rauchen!

Wer gilt als "tabakabhängig"?

Man weiß: Rauchen macht abhängig! Sogar große Tabakkonzerne bestreiten dies nicht. Doch ist deswegen nicht jeder Raucher automatisch als abhängig zu bezeichnen. Schätzungen hierzu sind nur ungenau, man geht aber davon aus, dass mindestens jeder vierte Raucher, vielleicht sogar drei von vieren tabakabhängig sind! Doch was macht die Tabakabhängigkeit aus?

Die Tabakabhängigkeit umfasst sowohl psychische als auch körperliche Anteile. Im medizinischen Sinne gilt als tabakabhängig, wer einen starken Wunsch oder eine Art Zwang verspürt zu rauchen, nicht abstinent leben kann, Entzugserscheinungen entwickelt, wenn das Rauchen eingeschränkt oder aufgegeben wird, schon erfolglos versucht hat das Rauchen aufzugeben oder weiterraucht, obwohl bereits schädliche Folgen aufgetreten sind. Neben der Gewohnheit ist unter all den Stoffen im Tabakrauch das Nikotin verantwortlich für die Abhängigkeit.

Im Tabakrauch sind neben Nikotin fast 4000 Inhaltsstoffe registriert worden, von denen ein nicht unerheblicher Anteil eindeutig schädigende Wirkungen aufweist. So sind über 40 krebserzeugende Bestandteile und zusätzlich weitere gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe zu nennen, unter anderem Benzol, Kohlenmonoxid und Schwermetalle. Die Gefahren des Rauchens sind für den Raucher hoch. Jährlich sterben in Deutschland zwischen 90.000 und 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens: an Krebs, Herzinfarkten, Schlaganfällen und Lungenerkrankungen. Die zu erwartenden Gesundheitsschädigungen sind vielen Rauchern bekannt, das Risiko aber wird von den Rauchern entweder bewusst eingegangen oder das Wissen um die Gefahren des Rauchens verdrängt.

Doch wie sieht es mit den Nichtrauchern aus? Der vom Raucher inhalierte Rauch enthält durch die hohen Verbrennungstemperaturen bedeutend weniger Schadstoffe, Nikotin oder Kohlenmonoxid, als der ”Qualm”, der entsteht, wenn die Zigarette vor sich hin glimmt, und der von allen, auch den Nichtrauchern (den ”Passivrauchern”), mit eingeatmet wird. In Deutschland sterben jährlich mindestens 400 Menschen an den Folgen des Passivrauchens durch Lungenkrebs. Einer Information des Deutschen Krebsforschungszentrums zufolge ist das Lungenkrebsrisiko bei Nichtrauchern aus der Umgebung von Rauchern um 30-40% erhöht!

Also: Raucherentwöhnung!

Im Vordergrund stehen die Erforschung von geeigneten Raucherentwöhnungsmethoden zur Hilfestellung für den entwöhnungswilligen abhängigen Raucher und die Bemühungen um die Prävention des Rauchens. Letztere zielt auf eine Senkung der Raucherquoten durch eine verbesserte und gezieltere Aufklärung nicht nur der Raucher, sondern insbesondere auch der am meisten gefährdeten Gesellschaftsschichten. Hierzu zählen vor allem Kinder und Jugendliche, in deren Erleben das Rauchen noch nicht die unbeherrschbare Gefahrenquelle, sondern die erstrebte Eintrittskarte in die Welt der Erwachsenen darstellt.

Mit der Forschung zur Raucherentwöhnung und der Entwicklung verschiedener Formen der Raucherentwöhnung wurde in den USA in den sechziger Jahren begonnen. Im Rahmen dieser Bemühungen entstanden aber auch viele wirkungslose und zum Teil sogar unseriöse Verfahren.

Für die Hypnose als bedeutsamste Form der suggestiven Verfahren gilt ähnliches wie für die Akupunktur. Sie erzielt sehr gute kurzfristige Erfolge, die langfristige Effizienz konnte jedoch auch hier in guten, kontrollierten Studien nicht nachgewiesen werden. Als Nachteil beider Verfahren gilt, dass sie dem Raucher keine Möglichkeiten zur Bewältigung von Krisen und Versuchungssituationen in die Hand geben.

Autogenes Training und Muskelentspannungstraining werden zwar als Bausteine einer Raucherentwöhnungsbehandlung häufig eingesetzt, für sich alleine sind sie jedoch nicht ausreichend wirksam.

Bei den Verhaltenstherapien handelt es sich um die umfassendsten, aber auch um die wirksamsten Verfahren zur Raucherentwöhnung. Sie werden zumeist in Gruppen, aber auch einzeln durchgeführt und bestehen aus drei Phasen: der Selbstbeobachtungsphase, der akuten Entwöhnungsphase, sowie einer Phase zur Stabilisierung des Entwöhnungserfolges und zur Rückfallprophylaxe.

Unter den medikamentösen Verfahren stehen die vorübergehende Gabe von Nikotin (Nikotinpflaster, -kaugummi oder -nasenspray) oder von Medikamenten wie dem Antidepressivum Bupropion oder dem Nikotinersatz Vareniclin die zur Zeit wirkungsvollsten Methoden zur Verfügung. Wirkprinzip der medikamentösen Therapie ist die Milderung der Entzugssymptomatik und des Rauchverlangens, um den Entwöhnungsprozess zu erleichtern. Sowohl die Nikotinersatztherapie als auch die medikamentöse Therapie sind wirkungsvolle Verfahren, bei letzterem sind allerdings Einschränkungen bei der Anwendung zu beachten.

Richtige Tabakentwöhnung

Nur wer wirklich aufhören möchte, schafft es auch. Doch selbst bei einer hohen Motivation kann noch einiges schief gehen. Da, wie bereits erwähnt, die Tabakabhängigkeit sowohl durch eine physische als auch eine psychische Komponente bestimmt ist, müssen in einer Raucherentwöhnung auch beide Komponenten angegangen werden. Die physische Komponente ist durch die Nikotinabhängigkeit charakterisiert und führt beim Rauchstopp zu körperlichen Entzugssymptomen. Diese umfassen Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsmängel, Nervosität, Unruhe aber auch Obstipation oder Hungergefühl.

Die psychische Abhängigkeit äußert sich in einem heftigen Rauchverlangen, dem Unvermögen, auf das Rauchen in bestimmten Situationen zu verzichten und der so genannten Macht der Gewohnheit.

Jeder ernst gemeinte Versuch einer Raucherentwöhnungsbehandlung muss sich mit beiden Bedingungen der Sucht auseinandersetzen: die körperlichen Entzugssymptome, die so heftig sein können, dass sie trotz einer hohen Ausgangsmotivation zur Abstinenz zum Rückfall führen, müssen gemildert werden, Versuchungssituationen müssen überwunden, Gewohnheiten durchbrochen werden.

Die Motivation für eine Abstinenz muss klar herausgearbeitet werden - nicht allein die zu erwartenden negativen gesundheitlichen Folgen durch das Rauchen sondern vor allem die positiven Konsequenzen des Nichtrauchens müssen die Motivation begründen.

Dazu gehören zum Beispiel: die spürbar erhöhte körperliche Leistungsfähigkeit, das wieder gewonnene Gefühl der Unabhängigkeit, finanzielle Einsparungen, eine größere Attraktivität ... Der entwöhnungswillige Raucher sollte sich über alle zu erwartenden Schwierigkeiten informieren. Unerwartete Komplikationen während der Rauchabstinenz - das Auftreten von unerwarteten Entzugserscheinungen beispielsweise - gefährden die Abstinenz!

Bei den verhaltenstherapeutischen Raucherentwöhnungsverfahren handelt es sich um die umfassendsten, aber auch um die wirksamsten Verfahren zur Raucherentwöhnung. Die verhaltenstherapeutische Raucherentwöhnung konzentriert sich auf die Überwindung der psychischen Abhängigkeit.

Eine wichtige Unterstützung für die Raucherentwöhnung ist die erfolgreiche Bekämpfung der Entzugserscheinungen durch Medikamente. Vor allem Raucher mit einem Rauchkonsum von mehr als 10 Zigaretten pro Tag profitieren von einer vorübergehenden Nikotinsubstitution oder einer Behandlung durch Bupropion oder Vareniclin. Die Nikotinersatztherapie ist in Deutschland als Nikotinpflaster, -kaugummi möglich. Während leichten Rauchern oder Rauchern, die vor allem in bestimmten Situationen zur Zigarette greifen und keinen gleichmäßigen Nikotinspiegel im Blut aufbauen, der unterstützende Einsatz des Nikotinkaugummis angeboten werden kann, profitieren regelmäßige oder stärkere Raucher von einer Pflaster- anwendung.

Die Anwendungsvorschriften verlangen eine 24stündige bzw. 16stündige Applikation des Pflasters an Rumpf oder Oberarmen. Die Hautverträglichkeit des Pflasters ist gut. Selten kommt es zu Hautirritationen, Kopfschmerzen, Alpträumen und Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden. In der Regel stehen drei verschiedene Pflasterstärken zur Verfügung. Üblicherweise wird bei der höchsten Dosisstufe begonnen, nach 4-6 Wochen wird die nächst niedrigere Dosierung gewählt und nach weiteren 2-4 Wochen dann die niedrigste Pflasterstärke, ehe nach weiteren 2-4 Wochen die Behandlung beendet wird. Häufige Fehler sind mehrtägiges Tragen eines Pflasters (über den Wirkzeitraum hinaus), das nächtliche Tragen des Nikotinpflasters bei nur geringen körperlichen Entzugssymptomen, der gleichzeitige Zigarettenkonsum und zu hohe oder zu niedrige Einzeldosen. Auch ohne eine begleitende verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppenbehandlung - das derzeit wirkungsvollste Verfahren in der Raucherentwöhnung - lässt sich die Effektivität der Behandlung durch wöchentliche Kurzkontakte mit Ärzten oder Apothekern zur Klärung von Dosisfragen und zum Überprüfen unerwünschter Wirkungen steigern.

Der Nikotinkaugummi wird immer dann angewendet, wenn starkes Rauchverlangen oder andere Entzugserscheinungen auftreten. Beim Kauen eines Nikotinkaugummis wird das Nikotin durch die Mundschleimhaut aufgenommen. Bei der Anwendung des Nikotinkaugummis ist es wichtig, den Kaugummi etwa 30 Minuten mit Pausen langsam zu kauen, damit sich das gesamte Nikotin aus dem Kaugummi löst. Im Höchstfall sollte ein Kaugummi pro Stunde gekaut werden (d.h. nicht mehr als 16 Stück pro Tag). Nach 4-6 Wochen sollte die Dosis schrittweise reduziert werden. Der Nikotinkaugummi steht in verschiedenen Stärken zur Verfügung. Der Nikotinkaugummi sollte höchstens über drei Monate angewendet werden.

Entscheidend für die Beurteilung der Effektivität einer Behandlungsmethode sind die langfristigen Abstinenzquoten (nach 12 Monaten). Der Spontanentschluss, das Rauchen aufzugeben, führt nur bei 1 bis 5% der Raucher zur Abstinenz, der ärztliche Ratschlag kann immerhin bei 5% der Raucher erfolgreich sein. Während die alleinige Gabe von Nikotin zur Raucherentwöhnung Erfolgsraten zwischen 10 und 15% vermittelt, der Einsatz verhaltenstherapeutischer Selbsthilfemanuale zwischen 15 und 20% abstinente Raucher erzielt und die verhaltenstherapeutische Gruppenbehandlung bei bis zu 25% der Raucher wirksam ist, kann die Kombinationsbehandlungen aus Verhaltenstherapie und Nikotinsubstitution bis zu 35% Abstinenz nach einem Jahr erreichen. Die Erfolgsaussichten einer Raucherentwöhnung werden durch eine medikamentöse Unterstützung nahezu verdoppelt.

Öffnungszeiten

Montag, Dienstag, Donnerstag:
08:00 Uhr - 19:00 Uhr
Mittwoch, Freitag:
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Samstag:
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